Gerdien Jonker / Markus Schlaffke
Wie man Imperium buchstabiert. Das 'Tataren-Lager' Weinberge 1914-1918
Göttingen: Wallstein 2025
Wie man Imperium buchstabiert. Das 'Tataren-Lager' Weinberge 1914-1918
Göttingen: Wallstein 2025
Am 19. November 1914 riefen Deutschland und die Türkei gemeinsam zum
‚Jihad‘ gegen Russen, Briten und Franzosen auf. In Deutschland entstanden
islamistische Propagandalager, in denen muslimische Kriegsgefangene für die
deutsch-türkische Allianz gewonnen werden sollten. Die 18.000 russisch-muslimischen Kriegsgefangene im Weinberglager in der Nähe von Berlin bekamen diese Politik am eigenen Leib zu spüren. Ihre Bewacher versuchten sie mit einer scharfen ‚islamischen‘ Propaganda zu ködern. Die Gefangene entwickelten indes Strukturen, um westliche Bildung zu erwerben. So buchstabierten sie ihre Rolle in der imperialen Ordnung und bereiteten ihre Unabhängigkeit vor.
Diese Grundspannung wird im Buch in kurzen Porträts ausgeleuchtet. Sie zeigen,
wie Rassenhygienische Auslese und antikolonialer Befreiungskampf im Lager
nah beieinander lagen, sich die Krisenerfahrungen der Moderne vertieften unddie Kategorien der Identifikation verhedderten.
Mit zahlreichen Bildern und Karten versehen, gelingt es diesem Buch, das
Weinberglager im größeren Kontext der verwickelten Kolonialgeschichten der
europäischen Kriegsparteien einzuordnen. Es hat Relevanz für Leser, die sich für
die Geschichte von Muslimen in Europa, verschüttete europäische Denkmalorte,
und Postkolonialismus interessieren.
‚Jihad‘ gegen Russen, Briten und Franzosen auf. In Deutschland entstanden
islamistische Propagandalager, in denen muslimische Kriegsgefangene für die
deutsch-türkische Allianz gewonnen werden sollten. Die 18.000 russisch-muslimischen Kriegsgefangene im Weinberglager in der Nähe von Berlin bekamen diese Politik am eigenen Leib zu spüren. Ihre Bewacher versuchten sie mit einer scharfen ‚islamischen‘ Propaganda zu ködern. Die Gefangene entwickelten indes Strukturen, um westliche Bildung zu erwerben. So buchstabierten sie ihre Rolle in der imperialen Ordnung und bereiteten ihre Unabhängigkeit vor.
Diese Grundspannung wird im Buch in kurzen Porträts ausgeleuchtet. Sie zeigen,
wie Rassenhygienische Auslese und antikolonialer Befreiungskampf im Lager
nah beieinander lagen, sich die Krisenerfahrungen der Moderne vertieften unddie Kategorien der Identifikation verhedderten.
Mit zahlreichen Bildern und Karten versehen, gelingt es diesem Buch, das
Weinberglager im größeren Kontext der verwickelten Kolonialgeschichten der
europäischen Kriegsparteien einzuordnen. Es hat Relevanz für Leser, die sich für
die Geschichte von Muslimen in Europa, verschüttete europäische Denkmalorte,
und Postkolonialismus interessieren.
Dokumentarfilm: 'How to spell Empire'
Trailer: www.schlaffke.com
Uraufführung 18.6.2025 in Berlin